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{{Infobox ICD
| BREITE =
| 01-CODE = F48.1
| 01-BEZEICHNUNG = Depersonalisations- und Derealisationssyndrom
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'''Außerkörperliche Erfahrung''' ('''AKE'''), (OBE oder seltener OOBE), ist ein Erlebnis, bei dem sich die Betroffenen nach eigenen Angaben außerhalb ihres eigenen Körpers befinden und sich selbst von außen betrachten können ? auch Autoskopie genannt. In der Neurowissenschaft werden AKE-Erlebnisse den dissoziativen Störungen zugeordnet, die etwa durch Unfälle oder vorübergehendes Kreislaufversagen hervorgerufen werden können oder durch geringere Einschnitte wie Müdigkeit oder Stress zustande kommen.

AKE konnten künstlich und wiederholbar im Labor erzeugt werden, sowohl durch eine bestimmte Verfälschung der Wahrnehmung durch multimediale Simulationen, als auch durch gezielte physikalische Beeinflussung der Nervenaktivität des Gehirns von außen. Außerkörperliche Erfahrungen sind bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrer Systematik von Krankheiten (ICD-10) zwar nicht als eigenständige Störung klassifiziert, sie sind jedoch ein typisches Symptom einer Depersonalisationsstörung,<ref name="Blanke2015">Olaf Blanke, Nathan Faivre, Sebastian Dieguez: ''Leaving Body and Life Behind: Out-of-Body and Near-Death Experience''. In: Steven Laureys, Olivia Gosseries, Giulio Tononi: ''The Neurology of Consciousness: Cognitive Neuroscience and Neuropathology'', 2. Auflage, Academic Press, Amsterdam 2015, ISBN 978-0-12-801175-1, S. 323?347 (englisch).online (abgerufen 15. Juli 2016).</ref> die in ICD-10 unter ''Depersonalisations- und Derealisationssyndrom'' (F48.1) klassifiziert ist.

Verbreitung

Es besteht eine ? oftmals religiöse ? Vorstellung einer möglichen Trennung von Körper und Selbstvorstellung (.'' Band 111, Nummer 12, März 2014, S.?4421?4426, .</ref> Trotzdem wurde versucht, die Verbreitung von Seelenvorstellungen und die Verbreitung von AKE-Erlebnissen getrennt von einander zu ermitteln.

Traditionen der Seelenvorstellung

Eine vergleichende Untersuchung von mehr als 50 Kulturkreisen aus dem Jahr 1979 zeigte, dass in den meisten die Vorstellung existierte, der Geist oder die Seele könne den Körper verlassen. Dies wurde in Verbindung gebracht mit der Beobachtung, dass auch die Erscheinungsformen außerkörperlicher Erfahrungen sich weltweit ähnlich waren. Allerdings war die Interpretation dieser Erfahrungen wesentlich vom jeweiligen religiösen Umfeld abhängig.<ref name="Blackmore 1991/1993" />

AKE-Erlebnisse

Circa 10 Prozent gaben in einer Befragung an, in ihrem Leben außerkörperliche Erfahrungen gemacht zu haben.<ref name="Blackmore 1984" /> Der Philosoph Thomas Metzinger schätzte, dass etwa 8?15 Prozent der Weltbevölkerung schon einmal in ihrem Leben eine entsprechende Erfahrung gemacht haben.<ref name="Metz">Thomas Metzinger: ''Der Ego-Tunnel.'' Berlin: BvT, 2009, S. 135.</ref>

Erscheinungsformen

AKE-Erlebnisse sind von unterschiedlicher Länge und Intensität außerhalb eines Gefühls für Raum und Zeitdauer. Typisch sind Gefühle von Loslösung vom Körper, Vollständigkeit (inklusive eigentlich amputierter Körperteile), Schmerzlosigkeit, umfassende Beweglichkeit durch schwereloses Schweben und Vorwärtsgleiten, Unsichtbarkeit und veränderte Wahrnehmungszustände wie eine ?360°-Umsicht? und ?geistiges Erfühlenkönnen? von Gegenständen, aber keinerlei körperliches Erfühlen, dafür müheloses Durchdringenkönnen von Türen, Gegenständen, Lebewesen, Mauern oder der Zimmerdecke.

Das AKE-Phänomen kann bei Übermüdung,<ref name="Blackmore 1984">S. J. Blackmore: ''A Postal Survey of OBEs and Other Experiences.'' In: ''Journal of the American Society for Psychical Research.'' 52 (1984), S. 225?244 (A postal survey of OBEs and other experiences (PDF; 233?kB)).</ref> beim Meditieren, beim Einschlafen (vgl. Hypnagogie)
oder während des .<ref name="Blanke2015" /> Manche Menschen können AKE ihrer Aussage nach auch willentlich herbeiführen.<ref name="Blackmore 1991/1993">S. Blackmore: ''Near-Death Experiences: In or out of the body?''. In: ''Skeptical Inquirer.'' 16:1, 1991, S. 34?45; dt.: ''Beinahe tot.'' In: Gero von Randow (Hrsg.): ''Mein paranormales Fahrrad und andere Anlässe zur Skepsis.'' Reinbek 1993, S. 115?129.</ref>

Erklärungsmodelle

Die Einbettung des AKE-Phänomens in mythische und religiöse Bezugssysteme führte in der Vergangenheit dazu, dass AKE überwiegend in spirituellen Zusammenhängen ? etwa bei der Frage nach der Möglichkeit der Wiedergeburt der Seele, dem ewigen Leben, Bilokation, Levitation und dämonischer Beeinflussung ? behandelt wurde. Ferner werden AKE-Phänomene in der Literatur zur Sterbeforschung beschrieben.

Einordnung des Phänomens

Außerhalb der Religionswissenschaft und der vergleichenden Kulturforschung werden AKE-ähnliche Erlebnisse aber bereits länger in der psychiatrischen und psychologischen Forschung als .

Wissenschaftlich werden außerkörperliche Erfahrungen mehrheitlich als auf reale Reize (bzw. Restreize im Sterbezustand) zu als real empfundenen Erlebnissen und wiedererlebten Erinnerungen führt.

Kognitionswissenschaft

  • Kognitionswissenschaftlich wird AKE als das Resultat eines bestimmten gestörten Erinnerungsvermögens eingeordnet, das in der Vogelperspektive konstruiert ist,
  • Forschergruppen aus der Schweiz und Schweden haben ferner 2007 experimentell demonstriert, dass sich AKE-artige Phänomene durch einfache technische Versuchsanordnungen mittels einer Videobrille künstlich hervorrufen lassen. Auch das verweist auf die Störung von Wahrnehmungsprozessen als Ursache der Erlebnisse.

Andere Erklärungsversuche

Naturwissenschaftliche Untersuchungen

Neurologisch wird das Phänomen als Dissoziation zwischen Ich und Körper beschrieben, welche aufgrund eines Integrationsmangels von propriozeptiven, taktilen und visuellen Informationen des Körpers in Zusammenhang mit einer zusätzlichen vestibulären Dysfunktion entsteht.<ref name="Blanke/Seeck 2005" /> Die Bedeutung der multisensorischen Mechanismen für die Entstehung von AKE wurde in den vergangenen Jahren durch verschiedene neurobiologische und hirnphysiologische Studien belegt, die mit Hilfe künstlicher Stimulation zur Klärung der Abläufe und der dabei beteiligten Hirnstrukturen beigetragen haben. Dabei wurden unter anderem folgende Beobachtungen gemacht:
  • Untersuchungen wiesen AKE bei der Stimulation des an der Großhirnrinde befindlichen Gyrus angularis nach.
  • Auch eine Stimulation des Schläfenlappens ruft Forschungen zufolge AKE hervor. Beteiligt an diesen Vorgängen sind einer Untersuchung nach auch andere mit dem Gedächtnisprozess beteiligte Strukturen im limbischen System, so der Mandelkern und der Hippocampus. Dieser These zufolge führt der Stress im Todesprozess zur Freisetzung von Neuropeptiden und Neurotransmittern, insbesondere von Endorphinen, die auch das oft im Nahtod-Zusammenhang zu beobachtende Glücksgefühl hervorrufen.<ref name="PMID16186034">S. Bünning, O. Blanke: ''The out-of body experience: precipitating factors and neural correlates.'' In: ''Progress in brain research.'' Band 150, 2005, S.?331?350, , PMID 16186034 (Review).</ref>
  • Auch das Anästhetikum Ketamin kann diese Erscheinungen in Gang setzen.<ref name="PMID23421859">O. Corazza, S. Assi, F. Schifano: ''From "Special K" to "Special M": the evolution of the recreational use of ketamine and methoxetamine.'' In: ''CNS neuroscience & therapeutics.'' Band 19, Nummer 6, Juni 2013, S.?454?460, .</ref>
  • Während einer Gehirnoperation im Wachzustand verursachte eine gezielte Stimulation der weißen Substanz des linksseitigen temporoparietalen Übergangskortex wiederholt eine AKE. Der Patient erlebte dabei jedes Mal, wie er über dem Operationstisch schwebte und auf sich selbst herunter blickte.<ref name="PMID27178238">E. M. Bos, J. K. Spoor, M. Smits, J. W. Schouten, A. J. Vincent: ''Out-of-Body Experience During Awake Craniotomy.'' In: ''World neurosurgery.'' [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck] Mai 2016, , PMID 27178238.</ref>

Individuelle Verarbeitung

Außerkörperliche Erfahrungen werden in der Regel subjektiv als völlig reale Vorgänge erlebt und in der Rückschau zumeist idealisiert. Bei einem Teil der Betroffenen haben sie erhebliche psychologische Veränderungen zur Folge. Für einige der Personen liefern sie den Beweis für ein Leben nach dem Tod.

Geschichte

Das Phänomen der außerkörperliche Erfahrung fand als Vorstellung der Seelenreise oder Freiseele Erwähnung in der : ''Anthroposophie in Deutschland. Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884?1945'', Göttingen 2007, S. 622f</ref>

Vertreter von ?AKE-Anschauungen? der 1960er und 1970er Jahre

Robert A. Monroe und Charles Tart

1971 publizierte der US-Amerikaner Robert A. Monroe sein erstes Buch ''Journeys Out Of The Body'' (in Deutsch erschienen unter dem Titel ''Der Mann mit den zwei Leben ? Reisen außerhalb des Körpers''). Er schildert darin (gottgläubig, aber konfessionslos) seine AKE-Erlebnisse und seine Forschungen dazu, diese künstlich herbeizuführen. Zusammen mit seinem Forscherkollegen Charles Tart machte er den Begriff ?außerkörperliche Erfahrung? (?out-of-body experience?) in den 1960ern populär, da ihnen der geschichtliche Begriff ?Astralprojektion? zu okkult und unwissenschaftlich war.
Nach seiner Darstellung trennt sich ein ?zweiter Körper? eines Menschen oder Tiers während des -Methode, mit der er Tiefenentspannung und erinnerbare AKE-Erlebnisse für jedermann versprach. Wissenschaftliche Belege für derartige Effekte fehlen. TMI ist bei der internationalen ?Association for Transpersonal Psychology? gelistet. Seine Forschungen wurden vom US-amerikanischen Militär unter dem Projektnamen "STARGATE" aufgegriffen.

Raymond Moody

Die Diskussion über AKE wurde auch durch das 1975 erschienene Buch ''Life After Life'' (''Leben nach dem Tod'') des amerikanischen Arztes '', John Wiley & Sons, New Jersey (USA) 2003, S. 251, ISBN 0-471-27242-6, online (abgerufen 15. Juni 2016).</ref>

Elisabeth Kübler-Ross

Die Psychiaterin und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross veröffentlichte intensiv zum Thema AKE, speziell (aber nicht nur) in der Ausprägung der Nahtod-Erfahrungen, die sie in ihren zahlreichen Büchern ansprach. Nach 1975 löste sie mit der Behauptung, ein Leben nach dem Tod wissenschaftlich beweisen zu können, heftige Kontroversen aus.

Siehe auch

Literatur

Wissenschaft

  • Olaf Blanke, Nathan Faivre, Sebastian Dieguez: ''Leaving Body and Life Behind: Out-of-Body and Near-Death Experience''. In: Steven Laureys, Olivia Gosseries, Giulio Tononi: ''The Neurology of Consciousness: Cognitive Neuroscience and Neuropathology'', 2. Auflage, Academic Press, Amsterdam 2015, ISBN 978-0-12-801175-1, S. 323?347 (englisch).online (abgerufen 14. Juni 2016).
  • Michael Nahm: ''Außerkörperliche Erfahrungen''. In: Gerhard Mayer, Michael Schetsche, Ina Schmied-Knittel, Dieter Vaitl: ''An den Grenzen der Erkenntnis. Handbuch der wissenschaftlichen Anomalistik'', Schattauer, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-7945-2922-3, S. 151?163.
  • Jane E. Aspell, Bigna Lenggenhager, Olaf Blanke: ''Multisensory Perception and Bodily Self-Consciousness: From Out-of-Body to Inside-Body Experience''. In: , chapter 24 (englisch).online (abgerufen 13. Juni 2016).
  • Hans-Otto Karnath, Peter Thier: ''Außerkörperliche Erfahrungen''. In: Dieselben: ''Kognitive Neurowissenschaften'', 3. aktualisierte und erweiterte Auflage, Springer, Berlin 2012, ISBN 978-3-642-25527-4, S. 198?200.
  • Allan Hobson: ''Außerkörperliche Erfahrungen''. In: Derselbe: ''Das optimierte Gehirn: wie wir unser Bewusstsein reparieren, manipulieren, ruinieren'', Klett-Cotta, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-608-94361-0, S. 196?198.
  • Susan Blackmore: ''Beyond the Body: An investigation into out-of-body experiences (with new postscript).'' Academy Chicago, Chicago 1992, ISBN 0-89733-344-6 (englisch).

Anschauungen

  • Robert Monroe: ''Journeys Out of the Body.'' Anchor, Garden City 1977, ISBN 0-385-00861-9.
    • dt.: ''Der Mann mit den zwei Leben ? Reisen außerhalb des Körpers.'' Droemersche Verlagsanstalt Knaur, München 1986, ISBN 3-426-04150-2 (parapsychologische Veröffentlichung) (Leseproben, abgerufen am 18. Juni 2016).
  • Raymond Moody: ''Life After Life.'' Mockingbird, Covinda 1975.
    • dt.: ''Leben nach dem Tod''. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1977 u.ö, ISBN 3-498-04252-1.
  • Sylvan Muldoon, Hereward Carrington: ''Die Aussendung des Astralkörpers.'' Bauer, Freiburg im Breisgau 1983, ISBN 3-7626-0073-2 (zuerst englisch 1929)
  • Robert Peterson: ''Praxis der außerkörperlichen Erfahrung. Mit 25 Übungen und detaillierter Anleitung.'' Omega, Düsseldorf 1998, ISBN 3-930243-12-1.
  • Frank Lowinsky: Astralwanderungen und luzide Träume. Das Handbuch für Traumreisende. Omega, Aachen 2014, ISBN 978-3-930243-70-9
  • Kenneth Ring: ''Life at Death.'' Coward, McCann & Geoghegan, New York 1980.
    • dt.: ''Den Tod erfahren, das Leben gewinnen''. Scherz, München 1985, ISBN 3-404-60233-1.
  • Pim van Lommel, Bärbel Jänicke: ''Endloses Bewusstsein: Neue medizinische Fakten zur Nahtoderfahrung.'' Patmos, Düsseldorf 2009, ISBN 978-3-8436-0013-2.
  • Waldo Vieira: ''Projectiology: A Panorama Of Experiences Of The Consciousness Outside The Human Body''. IAC 2002, ISBN 85-86019-58-5.
    • sowie: ''Projections of the Consciousness''. IAC 2007, ISBN 978-1-934079-50-8.
  • Alexander de Foe u.?a.: ''Consciousness beyond the body - Evidence and reflections.'' Melbourne Centre for Exceptional Human Potential 2016, ISBN 0-646-95022-3 (englisch).

Studien

  • A. Guterstam, M. Björnsdotter, G. Gentile, H. H. Ehrsson: ''Posterior cingulate cortex integrates the senses of self-location and body ownership.'' In: ''Current biology: CB.'' Band 25, Nummer 11, Juni 2015, S.?1416?1425, , PMID 25936550 (freier Volltext). Beschreibung für die Allgemeinheit nach Darstellung durch die Forscher (abgerufen 15. Juni 2016).
  • J. J. Braithwaite, D. Samson, I. Apperly, E. Broglia, J. Hulleman: ''Cognitive correlates of the spontaneous out-of-body experience (OBE) in the psychologically normal population: evidence for an increased role of temporal-lobe instability, body-distortion processing, and impairments in own-body transformations.'' In: ''Cortex; a journal devoted to the study of the nervous system and behavior.'' Band 47, Nummer 7, 2011 Jul?Aug, S.?839?853, . . PMID 20598679.
  • Olaf Blanke: ''The Out-of-Body Experience: Disturbed Self-Processing at the Temporo-Parietal Junction.'' In: ''The Neuroscientist.'' 11, 2005, S.?16?24, .
  • Olaf Blanke, Christine Mohr: ''Out-of-body experience, heautoscopy, and autoscopic hallucination of neurological origin.'' In: ''Brain Research Reviews.'' 50, 2005, S.?184?199, .

Weblinks

Einzelnachweise

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